Posts

Erinnerungen: 1963 - Feuer in der Schule

Bild
1963: Feuer in der Schule Studium als Diplomlehrer abgeschlossen, erster Einsatzort, kleine Dorfschule nahe der Bezirksstadt, „dort, wo man gebraucht wurde“. Busanschluss gibt es nicht und die Schule besteht aus 4 Klassenräumen mit 8 Klassen in zwei Dörfern. Paul Meskat hatte während des Studiums nicht gehört, dass es den Stufenunterricht noch gibt, zwei Klassenstufen gleichzeitig in einem Raum unterrichtet werden. Eine Kontrolle der Schule durch die entsprechende Abteilung Volksbildung ist seit Jahren nicht erfolgt; kein Inspektor hat sich an diese Schule verlaufen. Die Sitten waren etwas verlottert und erinnerten an trautes Schulmeisterleben irgendwo im Heidesand. Lehrer und Pfarrer waren noch anerkannte Größen. Der Bürgermeister als Staatsmacht hatte wenig zu melden. Ganz am Anfang fragte Paul Meskat mal den Schulleiter nach den Pausenzeiten und anderen Formen der Schulorganisation. „Mach einfach Pause, wenn du denkst!“ war die Antwort des leitenden Lehrers. Paul war aber mit 45 Mi...

Rückerinnerung: Schulstrafe 1952

Bild
Schulstrafe 1952 Grundschule, Winter, Schulbrot in der Klasse vergessen; zurück in den Klassenraum, Frühstücksschnitten holen. Da, im Klassenraum, ein Kreidestück auf dem Boden. Paul blickt an die Wandtafel, ein Schülermachwerk, erkennbar, ein nackter Frauenkörper mit üppigen Attributen der Weiblichkeit. Bildunterschrift: „Inge Klier“. Gedankenverloren, den Blick an der Tafel hob er das Kreidestück langsam auf und drehte es zwischen den Fingern. Die Klassenraumtür hatte sich leise geöffnet; ein Lehrer sah einen Schüler, der in der Pause im Klassenraum nichts zu suchen hatte, sah die obszönen Tafelschmiererei und Paul mit einem Kreidestück in der Hand. Eigentlich war alles klar, der Missetäter war überführt. Leugnen zwecklos! Ganz großes Vergehen! Am nächsten Tag hatte Paul mit seiner alleinerziehenden Mutter zum Pädagogischen Rat der Lehrer zu erscheinen. Die Verworfenheit der Kinder im allgemeinen und speziellen Fall wurden ausführlich beleuchtet. Paul war in andern Zusammenhängen sc...

Rückerinnerung: Schuleinführung 1945

Bild
Rückerinnerung: Zeitenwende - Kriegsende 1945 in Thüringen Das Kriegsende erlebte ich als fünfjähriges Kind in einem Ortsteil von So... in Thüringen. Im Januar 45 fand unsere Flucht - Mutter, Oma, Schwester - aus dem Gebiet östlich der Oder in Thüringen ihr Ende. Durch viele Anzeichen wurde auch mir als Kind das nahende Kriegsende bewusst. Die Flugzeuge der Amerikaner und Engländer überflogen in riesigen Pulks immer häufige in großer Höhe den Ort. Immer öfter wurden die Tage und Nächte aus Angst vor Luftangriffen im Keller oder in den umliegenden Wäldern verbracht. Ich erinnere mich, wie des Nachts am Horizont der Feuerschein der brennenden Städte No … und So … zu sehen waren. Besonders gefährlich waren die Bomber, die nach dem Angriff ihre restlichen Sprengkörper ziellos auf dem Rückflug abwarfen. Deutsche Soldaten flüchteten vor den nahenden Amerikanern und warfen Waffen, Ausrüstungsgegenstände und Munition weg. Gefährliche Spielgeräte für uns Kinder! In der ersten Aprilhälfte sah i...

Reiseeindrücke: Montevideo

Bild
Montevideo: Hauptstadt von Uruguay; kaum Tourismus außer vereinzelten Kreuzfahrtschiffen, niedrige Kriminalitätsraten; Touristenpolizei im Stadtbild ist unübersehbar. Im Zentrum passt architektonisch fast nichts zueinander. Neben dem kolonialen Jugendstil hat sich die Moderne der 50er Jahre breit gemacht. Moskau 1950 lässt grüßen. Heutige Paläste aus Glas und Beton reihen sich übergangslos ein. Kleine grüne Plazas mildern diesen Eindruck etwas ab. Das üppige Grün Südamerikas verdeckt viele architektonische Besonderheiten ... Auffällig ist, sehr viele Menschen haben einen Becher in der Hand und trinken während des Gehens immer mal einen Schluck: Mate Tee ! Die Mate Blätter im Becher werden mit kochendem Wasser überbrüht. Man schlendert und nimmt immer mal einen Zug Tee. Ist der Becher leer, wird aus einer mitgeführten Thermoskanne wieder heißes Wasser über die Blätter gegossen. An jeder Straßenecke kann man diese Becher in unterschiedlichster Ausführung kaufen. Beeindruckend ist die e...

Reisebericht: Puerto Madryn

Bild
Puerto Madryn (Argentinien) wurde 1865 von walisischen Siedlern gegründet und erlebte Aufstieg und Fall entsprechend der Wirren der letzten Jahrhunderte. In der heute 50000 Einwohner zählenden Stadt sind architektonische Auffälligkeiten sehr rar. Es wird versucht, die touristischen Gegebenheiten der Umgebung auszuloten. In den Buchten am Rande der Stadt, auf der Halbinsel Valdez, sind Kolonien von Elefantenrobben, viele Seevögel, Pinguine und auch Wale, besonders Orcas, zu entdecken. Die Fahrt dahin erfolgt vielfach über unbefestigte Straßen. Da hat man was von der Busfahrt und merkt, dass die Stoßdämpfer schon vor langer Zeit ihre Funktion eingestellt haben. Ein Abstecher nach Gaiman , etwa 80 Kilometer von Puerto Madryn entfernt, vermittelt die Weite des steppenähnlichen Landes und die Fruchtbarkeit im Tal des Rio Chubal, wo intensiv Landwirtschaft betrieben wird. Walisische Siedler landeten 1865 an der patagonischen Küste und gründeten einige Städte und Dörfer, auch Gaiman. ...

Reisebericht: Ushuaia, Kap Hoorn

Bild
Südamerikas südlichste Spitze wird durch den Beaglekanal und die südlichste Stadt der Welt geprägt. 1831 entdeckte man diese südliche Wasserstraße im Süden Feuerlands. Der Beaglekanal, die Magellanstraße, Kap Hoorn, die Drakestraße sind die einzigen Verbindungen zwischen Atlantik/Pazifik im Süden des Kontinentes. Im Sonnenaufgang den Kanal zu befahren in Richtung Ushuaia, der eingegrenzt von den Bergen der Südkordilleren ist, zu sehen, wie die aufgehende Sonne erst die schneebedeckten Berggipfel sacht und rosafarben betastet und dann, 10 Minuten später, die südlichste Stadt der Welt in rosafarbenes Licht taucht, ist nicht mit Worten zu beschreiben. Sprache reicht dazu nicht aus. Erlebt muss man es haben. Ushuaia, "die zur Sonne hin gewandte Bucht", die ihre Existenz einem fluchtsicheren Gefängnis für ganz schwere Jungs aus Argentinien verdankt und heute ihr Wachstum den Steuervorteilen der Bewohner, ist die letzte menschliche Behausung vor der eisigen Unendlichkeit. Möchte...

ANTARKTICA Paradise Bay

Bild
Nach zwei Seetagen, Reise durch die ruhige, sonst sturmgepeitschte Drakestraße , macht sich die antarktische Halbinsel mit ersten treibenden Eisbergen bemerkbar. Entlang der Andreasstraße gleitet das Schiff bei wechselndem Wetter vorbei an Gletschern, Felsgipfeln, Gletscherabbrüchen, Eisbergen und Treibeisfeldern. Glasklares Wasser lässt den Blick auf die Eisberge unterhalb der Wasserlinie in grünlichblauer Tiefe verfolgen. Immer wieder entlassen kalbende Gletscherzungen Eisberge der Strömung und dem Wind. Getier der Antarktis zeigt sich neugierig an den Bordwänden. Die Brücke macht die Passagiere darauf aufmerksam. Pinguine treiben auf Eisbergen vorbei und sind angetreten, um die Menschen zu mustern oder springen wie Delphine am Schiff entlang. Seelöwen verlassen träge ihre Eisschollen und gleiten ins Wasser, Wale unterschiedlicher Größe verschwinden mit kräftigem Schlag der Schwanzflosse in die Tiefe oder tauchen auf der anderen Schiffsseite wieder auf. Irgendwie so muss w...